Wasserball im Lehrter Sport-Verein von 1874 e.V.

Bericht der Schwimmabteilung zur Mitgliederversammlung des Lehrter SV

Geschrieben von Wolfgang Philipps (philipps)
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(04.04.2021) Der organisierte Sportbetrieb liegt in Deutschland dieser Tage schon seit Monaten großflächig brach, und das gilt zum Leidwesen aller Abteilungsmitglieder in einem besonders hohen Maße auch für den Schwimmsport. Wer sich dem Schwimmen oder der Aquafitness als regelmäßige sportliche Betätigung verschrieben hat, wird mit Joggen oder gar Workouts im Wohnzimmer erst recht nicht glücklich werden (oder kann derartiges gesundheitsbedingt vielleicht sogar gar nicht erst ausüben).

Da erscheint es wenig tröstlich, dass Untersuchungen zu dem Schluss gekommen sind, dass Beckenschwimmen mit seinen gern zitierten „Chlorwolken“ zu den risikoärmsten Sportarten zählt und selbst Wasserball in Sachen Sicherheit noch so gut wie alle anderen Kontaktsportarten aussticht. Derartige Erkenntnisse bleiben jedoch Makulatur, solange bundesweit jenseits der Leistungszentren so gut wie alle Schwimmbäder geschlossen bzw. nicht nutzbar sind. In den Genuss von beckenbasierten Trainingseinheiten und sogar einigen Wettkampfstarts ist in den vergangenen Monaten daher einzig Nachwuchstalent Tekla Kaminska gekommen: Als Kaderathletin des Landesschwimmverbandes Niedersachsen kann sie weiter am Übungsbetrieb im Olympiastützpunkt Hannover teilnehmen.

Im Gegensatz zu einigen anderen Kommunen bestanden in Lehrte zwischenzeitlich unter Auflagen immerhin gut fünf Monate lang wieder Übungsmöglichkeiten, wobei die Bäder getrennt von der Öffentlichkeit jeweils ab 19 Uhr für Vereine reserviert waren. Nach Erstellung von Hygienekonzepten in Rekordzeit konnten am 8. Juni die ersten Trainingsgruppen im Waldbad Arpke ins Becken steigen (nicht springen …); weitere Aktive folgten zwei Wochen später in der Kernstadt. Unter vergleichbaren Auflagen konnte der Trainingsbetrieb zunächst auch nahtlos im Hallenbad fortgesetzt werden, allerdings ist seit Ende Oktober mit dem Beginn des zweiten Lockdowns wieder kompletter Stillstand angesagt. Angesichts der bis dato anhaltenden Pause mögen sich ältere Abteilungsmitglieder wieder an die Zeiten der „Vereine ohne Winterbad“ (VoW) der 1960er-Jahre mit ihrer siebenmonatigen Winterpause erinnern, doch selbst damals konnte zumindest hin und wieder in Hannover oder Hildesheim geschwommen werden.

Angesichts der detaillierten Hygienekonzepte erfuhr auch das Veranstaltungswesen massive Einbußen: So musste beispielsweise erstmals seit der Premiere im Jahre 1983 das alljährliche Sommerschwimmfest der SG Lehrte/Sehnde (Lehrter SV/TV Eintracht Sehnde) gänzlich entfallen. Nach den Sommerferien kamen im weitläufigen Lehrter Freibad bei niedrigeren Inzidenzzahlen immerhin das alljährliche vereinsübergreifende Trainingswochenende des Kreisschwimmverbandes und die landesweite Finalveranstaltung des als Überbrückungswettbewerb ausgetragenen LSN-Sommer-Cups zur Austragung. Im Herbst konnten einige Aktive zudem wieder Kreis- und Bezirksmeisterschaften besuchen, doch seit Oktober lassen sich bundesweit nur noch einige wenige Veranstaltungen für Kadersportler vermelden.

Die Wasserballsaison 2019/20 war von drei LSV-Mannschaften in Angriff genommen worden und erfuhr nach zwischenzeitlicher Aussetzung schließlich im Juni eine komplette Annullierung. Die angelaufenen Planungen für die Spielzeit 2020/21 sind mit Beginn des zweiten Lockdowns ebenso Makulatur geworden, wobei für den kommenden Sommer angesichts der jüngsten Entwicklungen wohl nur noch mit einigen wenigen Freundschaftspartien gerechnet werden darf. Während sich die nunmehr seit März vergangenen Jahres anhaltende Spielpause wohl noch verschmerzen lässt, ist es betrüblich, dass den gut zwei Dutzend Kindern und Jugendlichen aus der Nachwuchsgruppe jenseits einiger Onlineeinheiten kein Übungsbetrieb geboten werden kann. Angesichts der langen Pause wären die Übungsleiter und Aktiven auch hier aktuell schon froh, wenn zumindest ein Trainingsbetrieb wie im vergangenen Sommer wieder möglich wäre.

Massiv in Mitleidenschaft gezogen wird ebenso das 100-jährige Jubiläum des Lehrter Schwimmsports, dessen Feierlichkeiten für diesen Sommer geplant gewesen sind. Hier beeindruckt nicht nur die runde Zahl: Gegründet 1921 als eigenständiger Schwimmverein, ist die heutige LSV-Sparte die zweitälteste Abteilung im Lehrter SV und zugleich der älteste schwimmsporttreibende Verein in dem bis 1974 existierenden Landkreis Burgdorf wie auch dem heutigen Kreisschwimmverband Hannover-Land. Das für Anfang Juli geplante Festwochenende, darunter auch ein Ehemaligenabend, wird sich damit in der geplanten Form nicht aufrechterhalten lassen, doch zumindest dieses Ereignis sollte sich unter besseren Umständen noch nachholen lassen.

Für den Sportbetrieb ist die Lage derweil allerdings mehr als betrüblich: Mochte der erste Lockdown noch wie verlängerte Sommerferien ohne einen Freibadbesuch anmuten, droht die aktuelle Situation nicht zuletzt aufgrund ihrer Dauerhaftigkeit wirklich an die Substanz zu gehen, zumal seitdem auch so gut wie keine Chance für die Gewinnung weiteren Nachwuchses besteht. Über die betrüblichen Ausfälle im Sportbetrieb hinaus muss für die Zukunft zudem eine Generation von Nichtschwimmern befürchtet werden, was ebenso gesamtgesellschaftlich mehr als bedenklich ist.

Aktuell war zuletzt Abwarten angesagt: Das derzeit komplett geschlossene Hallenbad werden die Aktiven vor dem Herbst nicht mehr wiedersehen, doch hat die Lehrter Bädergesellschaft zumindest angekündigt, dass die beiden Freibäder schnellstmöglich geöffnet werden sollen, sobald die Lage dieses zulässt. Bis auf weiteres bleibt daher nur die Hoffnung auf bessere Tage, und vielleicht entspannt sich mit wieder wärmeren Tagen und fortschreitenden Impfmaßnahmen die Situation zumindest etwas: Sportliche Betätigung ist nicht minder bedeutsam als soziale Kontakte.

Die Abteilungsleitung bedankt sich an dieser Stelle noch einmal bei allen Helfern und Unterstützern wie auch dem Hauptverein für die geleistete Arbeit und das gezeigte Engagement der vergangenen Monate. Allen Mitgliedern seit dieser Tage mehr denn je Gesundheit und Durchhaltewillen gewünscht.

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